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Spritzpistolen, Spritzsysteme

Spritzpistolen, Spritzsysteme

Werkzeuge, die zum Auftragen von Beschichtungsstoffen durch Zerstäuben dienen. Bei den Spritzpistolen ist die einfache Fixierspritze (Fixiergeräte) durch eine komplizierte Konstruktion ersetzt, bei der die Zufuhr von Spritzmaterial und Pressluft automatisch erfolgt und durch einen Abzugshebel manuell regulierbar ist. Das Lack-Luft-Gemisch tritt durch eine Düse aus und wird durch die Düsennadel reguliert. Die Lackzufuhr zur Düse erfolgt nach verschiedenen Verfahren:

1 Saugsystem: das Material flieẞt durch die Schwerkraftin die Pistole;

2 Flieẞsystem: das Material wird aus dem untenhängenden Becher hochgesaugt;

3 Groẞbetriebe mit ständiger Spritzarbeit verwenden das Drucksystem, bei dem der Beschichtungsstoff der Pistole aus gröẞeren Kesseln unter Druck zugeführt wird. Ein Nachfüllen durch den Verarbeitenden erübrigt sich dadurch. Um ein Absetzen von Pigmenten usw. zu verhüten, wird der Inhalt der Druckkessel durch Rührer u. ä. in Bewegung gehalten.

Eine Weiterentwicklung des Drucksystems ist das Umlaufsystem, das die zu spritzende Lackfarbe in ständiger Bewegung hält und den von der Pistole zurücklaufenden, nicht benötigten Beschichtungsstoff stets wieder durch ein Sieb treten lässt. Dies garantiert gleichbleibende Viskosität, Temperatur und Reinheit und verhindert ohne zusätzliche Rührvorrichtung das Absetzen schwerer Bestandteile. Bei den Druckluftpistolen selbst unterscheidet man zunächst zwischen Hochdruck- und Niederdruckpistolen. Die Luftzufuhrkanäle bei den letzteren sind viel größer als bei Hochdruckpistolen, denn im Niederdruckverfahren wird die 8- bis 10-fache Menge Luft verbraucht und oft auch einTeil der Druckluft in den Farbbecher abgeleitet, damit die Flüssigkeit unter leichtem Druck zur Spritzdüse gelangt. Niederdruckpistolen besitzen eine Ausblasöffnung, durch welche bei eingeschaltetem Gebläse die Luft ausströmt, Airless-Spritzen mit Luftunterstützung solange sie nicht durch Bedienung des Abzugshebels, der die Ausblasöffnung schließt und die Farbzufuhr freigibt, zur Düse geleitet wird.

Die Form des Spritzstrahls hängt davon ab, wie die Druckluft aus dem Pistolenkopf austritt. Die Strahldicke wird vom Düsendurchmesser bestimmt. Die Düsen sind auswechselbar.

Die drei Teile Luftdüse, Farbdüse und Farbnadel, die aufeinander abgestimmt sind, müssen stets zusammen ausgewechselt werden. Für verschiedene Spritzstrahlformen benötigt man dagegen unterschiedliche Pistolenköpfe. Bei den zumeist üblichen Spritzpistolen sind die Möglichkeiten Rundstrahl und Flachstrahl kombiniert, indem zwei verschließbare zusätzliche Seitenluftdüsen eingeschaltet werden können, deren Luftstrahl den aus der Mitte austretenden Rundstrahl flach bläst. Meistens geschieht die Einstellung stufenlos, sodass Zwischenformen des Spritzstrahls eingestellt werden können.

Für spezielle Lackierobjekte oder Lackmaterialien gibt es verschiedenste Düsenausführungen, wie Rundstrahl- und Schlitzdüsen, Tellerinnenmischdüsen u. a. Als Sonderformen von Druckluft-Spritzpistolen sind erwähnenswert die Mischpistolen mit je zwei Zuleitungen und Spritzdüsen (oder einer Spezialmischdüse), die zum Verarbeiten von Zweikomponentenlacken dienen. Umvorzeitige Reaktion der Lackbestandteile zu verhindern, wird hier der Härter erst vor der Spritzdüse in den Stammlackstrom geleitet oder aber getrennt ausgespritzt, sodass sich die Komponenten im Spritzstrahl vereinigen. Ferner gibt es Mehrfachpistolen, auf welche zwei (oder mehr) Farbbecher montiert sind (bzw. in die mehrere Zuleitungen münden), sodass man abwechselnd oder gleichzeitig verschiedene Lacke spritzen kann.

Heiẞspritzpistolen sind mit elektrischen Einrichtungen verbunden, die die Spritzmaterialien erwärmen. An einem Thermostat stellt man die Durchlauferhitzer so ein, dass gleichbleibende Temperatur des Spritzgutes gewährleistet ist. Beim Spritzen im Druck- oder Umlaufverfahren verwendet man normale Spritzpistolen; der flieẞende Beschichtungsstoff wird durch um die Farbzuleitung gelegte Heizeinrichtungen erhitzt und durch i. d. R. elektrisch oder aber mit strömendem Heiẞwasser geheizte Auẞenschläuche warmgehalten.

Airless-Spritzpistolen: Für das Airless-Kalt- und Heiẞ-spritzen sind Spezialspritzpistolen erforderlich, die dem für diese beiden Verfahren üblichen Lackdruck von 40 - ca.600 bar standhalten. Da hier nur der Flüssigkeitsdruck zum Zerstäuben des Lackes dient, fallen alle komplizierten Steuerungseinrichtungen für Luft fort. Der Aufbau einer solchen Spritzpistole ist daher sehr einfach, der Spritzstrahl ist relativ "hart".

Elektrische Spritzpistolen: Ein Elektromotor treibt die Hochleistungspumpe an. Diese saugt das Material aus dem Farbbecher, verdichtet es auf 120 - 160 bar und drückt es zur düse. Die Funktionsweise entspricht also dem Airless-Gerät. Die Düsenbohrungen liegen zwischen 0,3 und 1,5 mm. Zum Spritzen gröẞerer Flächen lassen sich die üblichen Rundstrahlpistolen gegen Flachstrahldüsen wechseln. Mit den elektrischen Spritzpistolen kann man die großen Flächenleistungen der üblichen Airlessgeräte natürlich nicht erreichen. Man verwendet die elektrischen Spritzpistolen v. a. zum Verarbeiten von dünnflüssigem Material. Die Geräte sind preisgünstig, handlich und nahezu wartungsfrei.

Pflege der Spritzgeräte: Nach jedem Gebrauch ist sorgsame Reinigung der Spritzpistolen notwendig. Zunächst wird Verdünnungsmittel durch gespritzt, danach werden die Düsen und die Farbnadel in Verdünnung gelegt und gesäubert. Die ganze Druckluftpistole darf man nicht in das Reinigungsmittel legen, weil die Dichtungen (Leder,Gummi, Kunststoff) dadurch zerstört würden. Die pflegeleichten Airless-Pistolen sind in dieser Hinsicht unempfindlich. Bei Kombinationsgeräten ist die Pflegeanleitung des Herstellers zu beachten. Vorteilhaft ist der Einsatz von Spritzpistolen-Reinigungsanlagen (Waschanlagen), die eine schnelle und schonende Reinigung ermöglichen.
Foto: manuta/Adobe Stock
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