professionincolor

Ausgezeichnet & tonangebend

„Bei der Gestaltung mit Farben und Tapeten sind immer mehr Frauen tonangebend und der Anteil an Mädchen steigt, die das Maler- und Lackiererhandwerk lernen!“, sagt Malermeisterin Dörthe Krüger-Mähl.

Mit Dörthe Krüger-Mähl stellen wir Ihnen eine selbständige Unternehmerin vor, die zunächst einen ganz anderen Berufswunsch hatte, als mit Farben und Tapeten Räume zu gestalten. Inzwischen ist sie damit sehr erfolgreich und tonangebend. Und dass es so ist, hat viel mit Leidenschaft, Begeisterung und Herzblut zu tun.

Dörthe Krüger-Mähl, Malermeisterin und Inhaberin des MFG Meisterbetriebs für farblich fachgerechte Gestaltung in Berlin und Wittstock, ist bekannt für hochwertige Malerarbeiten, Ausbauten und Gestaltungsfragen.

Schon dreimal – 2016, 2018 und 2023 – durfte sie die MAPPE-Auszeichnung „MALER DES JAHRES“ entgegennehmen. Ursprünglicher Berufswunsch von Dörthe Krüger-Mähl war es Meissner Porzellanmalerin zu werden, später Restauratorin. Doch trotz ihres sehr guten Fachabiturs bekam sich keinen Studienplatz. Also machte sie eine Malerlehre, um auf diesem zu DDR-Zeiten noch möglichen Weg, ihrem Berufswunsch näher zu kommen. Am Tag ihrer Prüfung war dann der Mauerfall – niemand kam und alles wurde mit der Wende anders. Schnell wollte die junge Powerfrau Westgeld verdienen und nahm in Berlin West eine Stelle als Malergesellin an. Alle waren begeistert von ihrer guten fachlichen Ausbildung und sie merkte schnell, dass sie es in diesem Beruf weit bringen kann. Also absolvierte sie nach drei Jahren als Gesellin im selbigen Betrieb ihre Meisterausbildung – mit 24 Jahren! Als jüngste Malermeisterin Berlins arbeitete sie dort weiter als Ausbilderin und Technikerin. Mit 27 Jahren gründete sie schließlich in Kreuzberg ihr eigenes Unternehmen und feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum.

Auf die Frage, was die größte Herausforderung für sie in ihrem beruflichen Werdegang gewesen sei, antwortet sie selbstbewusst: „Es hat mich geärgert, mit einem Notendurchschnitt von 1,8 nicht direkt nach der Schule als Restaurator angenommen zu werden.“ Und auf die Vorbehalte gegenüber Frauen in einer von Männern dominierten Handwerkerwelt, ist ihre Antwort ein persönliches Erlebnis: „Zur Zeit meines Einstiegs in die Selbstständigkeit waren Frauen in dieser Männerdomäne noch nicht so anerkannt. Als ich mit meinem Konzept zu einer Bank ging, bekam ich von einem großen, beleibten Schlipsträger zu hören: Eine Frau auf dem Bau? Gehen Sie nach Hause, das Handwerk schreibt nur rote Zahlen – da haben Sie keine Chance!“

Blick für ästhetische Details

Baustellen sind auch heute noch vorwiegend Männersache. Doch bei der Gestaltung mit Farben und Tapeten sind immer mehr Frauen tonangebend. Malermeisterin Dörthe Krüger- Mähl wundert das nicht: „Unser Berufsfeld Gestaltung und Instandsetzung ist so kreativ, dass ich hier eindeutig einen immer größeren Frauenanteil sehe.“ In ihrem Betrieb bildet sie selbst aus, Jungs wie Mädels. „Wenn ich ehrlich bin, sind mir die Mädels lieber.“ Unterschiede mache sie bei der Ausbildung allerdings keine. „Hauptsache, Interesse und Kreativität sind vorhanden.“ Ihr Tipp an junge Frauen, die einen männerdominierten Beruf ergreifen wollen: „Keine Scheu, mittlerweile sind viele Frauen in diesem Handwerk unterwegs. Eigentlich sind wir ja auch viel sensibler, wenn es um Gestaltung und gutes Oberflächendesign geht. Deshalb sollten da viel mehr Frauen aktiv werden.“

Ihre eigenen Stärken sieht Dörthe Krüger-Mähl in ihren mittlerweile langjährigen Erfahrungen und in ihrem Sinn für Ästhetik. „Unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen. Früher wurde mir schon nachgesagt, ich erledige den Job einer Innenarchitektin – nur besser, da ich das auch noch 1:1 umsetzte.“ Großen Wert legt sie auf den guten Umgang mit den Kunden, von der Beratung bis zur pünktlichen Ausführung. Die Verarbeitung höchst exklusiver Materialien und die perfekte handwerklicher Ausführung bis ins kleinste Detail, sind dabei ebenso selbstverständlich.

Anfänglich konnte Dörthe Krüger-Mähl sich nicht vorstellen, Familie und Beruf einmal zu vereinen. 2003 wurde sie in einem Artikel des Berliner Abendblatts zitiert, dass der Beruf sie ausfüllt und glücklich macht. Wie steht sie 20 Jahre später zu ihrer Aussage? „Als junge Frau war mir die Firma und das Netzwerken extrem wichtig, ich war eine Powerfrau mit bis zu 20 Mitarbeitern. Aber irgendwann merkte ich, dass mir etwas fehlte. Dann traf ich meinen Mann, der unbedingt eine Familie mit mir gründen wollte – so habe ich dann mit 35 Jahren unsere erste Tochter und mit 38 Jahren unsere jüngste Tochter bekommen.“ Rückblickend trotzdem alles richtig gemacht? Ihr Fazit: Alles!

 

Brigitte Wagner-Rolle

Dieser Beitrag erschien in der Mappe 11/2023. Mit einem Abo bekommen Sie die Mappe monatlich nach Hause gesendet – oder lesen sie bequem als E-Paper.

Nach oben