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Malerin

Die moderne Handwerkerin

Das Handwerk ist modern – und weiblich. Die Handwerkerin im 21. Jahrhundert ist hochqualifiziert, engagiert, selbstbewusst und zeigt mit Stolz ihren Beruf. Wir beleuchten die „Frauen im Handwerk“ näher und lassen sie selbst zu Wort zu kommen.

Auf Social Media begegnet man ihnen immer häufiger: Junge Frauen, die stolz ihren handwerklichen Beruf zeigen. Sie zeigen Bauprojekte, Arbeitsschritte oder Einblicke in ihren Berufsalltag und bringen ihren Follower*innen handwerkliche Berufe näher. Das Dasein von Influencer*innen besteht längst nicht mehr aus Schminktipps, Sportübungen oder Rezepten. Die Influencer*innen des Handwerks streichen Wände, bearbeiten Fassaden und geben auch mal den Ton auf den Baustellen an.

Wir haben mit drei Frauen gesprochen, die selbst im Maler- und Lackiererhandwerk arbeiten und Einblicke von ihrem Arbeitsalltag auf Social Media zeigen. Vivien, Hanna und Maren erzählen, wie sie ihren Weg ins Handwerk gefunden haben, welche Hürden sie meistern und welche Tipps sie für angehende Handwerkerinnen haben.

Vivien | Instagram: dreipinsel

Vivien ist selbstständige Malermeisterin
Foto: Larissa Reichelt

Vivien wusste direkt nach ihrem ersten Tag des Praktikums in einem Malerbetrieb, dass sie ihren Beruf gefunden hatte. Die Zeit ihrer Ausbildung verbindet war jedoch auch mit negativen Erlebnissen geprägt: „Es gab in meinem Ausbildungsbetrieb Menschen, die sich sehr unangebracht Verhalten haben.“ Sie rät angehenden Maler- und Lackiererinnen, sich nicht alles gefallen zu lassen. „Steht auf und erhebt eure Stimme, ihr habt ein Recht angehört zu werden!“ Nach ihrem Meister machte sie sich direkt selbstständig – auch, um zu beweisen, dass Frauen selbstverständlich ins Handwerk gehören. Sie möchte über Tabuthemen sprechen. Heute ist Vivien seit sechs Jahren selbstständig und generiert über ihren Instagram-KanalNeukundinnen und -kunden. Social Media ist ihre digitale Visitenkarte.

Hanna | Instagram: fraeulein_handwerk

Hannas Art kommt auf Social Media gut an
Foto: privat

Hanna zeigt die Leidenschaft für ihren Beruf ihren 7.000 Follower*innen auf Instagram. Mit dem Handwerk kam sie früh in Berührung: Ihr Papa ist selbstständiger Malermeister. Natürlich stand da auch immer die Frage im Raum, ob sie Nachfolgerin wird. Dennoch probierte sich Hanna erstmal aus und begann erst eine Ausbildung, dann ein Studium. Doch ihr Vater benötige eines Tages dringend Unterstützung – da fiel ihr die Entscheidung leicht. Heute arbeiten gemeinsam auf den Baustellen. Sie möchte vor allem die Vielfalt des Malerhandwerks darstellen. Ihr Papa war erst skeptisch über den Social-Media-Auftritt seiner Tochter. Mittlerweile unterstützt er sie aktiv. Kommen Fragen zu Referenzprojekten, zeigt er einfach die Bilder von Hannas Instagram-Kanal. Hannas Tipp für angehende Handwerks-Influencer*innen: „Authentisch bleiben, Spaß haben und diesen auch vermitteln.“

Maren | Instagram: koggeundcrew_malermeister

Maren ist gelernte Kirchenmalerin
Foto: Inga Geiser/Verlagsanstalt Handwerk

Was macht eigentlich eine Kirchenmalerin – Maren wurde so oft gefragt, dass sie beschloss, ihren Beruf bildlich darzustellen. Auf ihrem Instagram-Kanal zeigt sie wie sie restauriert, konserviert und rekonstruiert. Zur Kirchenmalerei kam sie über ihre Arbeit am Theater. Sie liebte es, Illusionen zu erschaffen und Besucher*innen in eine andere Welt zu entführen. 2017 gründete Maren ihren Malermeisterbetrieb. Alle Mitarbeiter*innen sind aktiv am Social-Media-Auftritt beteiligt. Da kommen schon mal lustige Videos zustande. Sie hofft, dass die Hürden für Frauen ins Handwerk zu gehen, geringer werden. Als „Miss Handwerk 2023“ will sie mit Vorurteilen aufräumen. Jungen Handwerker*innen rät sie, sich auszuprobieren, dabei helfen verschiedene Praktika. „Am Ende zählt auch, dass du etwas macht, dass dir Spaß macht.“

Selbstständig und Mutter?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Balanceakt und bringt viele Frauen in Existenzschwierigkeiten. Darum weiß auch der Bundesverband UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH). Ich habe mit Tatjana Lanvermann, Bundesvorsitzende und Katja Lilu Melder, Pressesprecherin des UFH über ihre Erfahrungen gesprochen.

Tatjana Lanvermann (l.) und Katja Lilu Melder (r.) vom Bundesverband UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH)
Foto: Martina Jahns/Norddeutsches Handwerk

Frauen im Handwerk gibt es nicht erst seit Social Media. Aufzeichnungen belegen, dass schon im Mittelalter Frauen als Handwerkerinnen arbeiteten und sogar reine Frauenzünfte gründeten.

Die Geschichte der Frau im Handwerk lesen Sie in der Mappe 05/23. In unserem Shop können Sie sich ein Probeheft bestellen. Mit einem Abo bekommen Sie die Mappe monatlich nach Hause gesendet – oder lesen sie bequem als E-Paper.

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