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4. April 2019
Redaktion
Dichtung

Abdichtungen im Badezimmer

Das neue, moderne, repräsentative Bad wird immer wichtiger. Das Wellness-Bad hat sich etabliert und das Bad ohne sichtbare Fugen von der Dusche bis hin zu allen Wänden und dem Boden ist der Trend. Aber ohne vorherige sorgfältige Abdichtung gibt es Probleme. Hinzu kommt eine neue Abdichtungsnorm.
Foto: Bernd Ducke/Mappe
Fugenlose Oberflächen sind im Trend, auch im Sanitärbereich – und hier kommt der Maler ins Spiel

Bahamabeige, grün, braun, dunkelblautypische Farbtöne vergangener Jahrzehnte im Badezimmer sind aus der Mode gekommen und solche Bäder werden nun sukzessive modernisiert. Zuerst wurden die einzelnen Elemente der Wandbeläge wie z. B. Fliesen immer großformatiger ausgewählt und inzwischen etabliert sich das sogenannte fugenlose Bad. Die Wandoberfläche oder auch der Boden besteht hier in nur wenigen Fällen aus ganzen Platten, sondern aus Oberflächenmaterialien, die sich tatsächlich fugenlos an Wand und Boden befinden.

Das Thema für den Maler

Und plötzlich rückt der Maler in den Fokus der Badmodernisierung! Robuste Oberflächenmaterialien wie Spachtelmassen mit Oberflächenveredelung und streich- bzw. rollbare Beschichtungsstoffe finden sich nun direkt in der Dusche am Boden und auf den Wänden wieder. Die Oberflächen befinden sich selbstverständlich auch im Umfeld der weiteren sanitären Einrichtungen. Diese Oberflächen sind von der individuellen Gestaltung des Handwerkers geprägt und damit ist der Maler mit seinen Mitarbeitern dafür prädestiniert. Das neue Geschäftsfeld mit der fugenlosen Badgestaltung wird auch zunehmend von Betrieben erkannt, die sich für die Verarbeitung der verschiedenen Oberflächenmaterialien bei den jeweiligen Herstellern weiterbilden und sich je nach Produktsystem auch dafür zertifizieren lassen.

Wasser findet immer einen Weg

Allerdings gibt es auch einige Risiken, die man als Verarbeiter nicht außer Acht lassen darf. Zu einem Bad gehört die Nutzung von Wasser einfach dazu – aber leider findet dieses Medium auch immer wieder Wege, wo es nicht hinfließen soll. Das sind z. B. offene Fugen, schadhafte Fugen oder speziell im Fall von fugenlosen Wandbeschichtungen feinste Risse in der Oberfläche der Beschichtungen. Gefährdet sind auch die Eckbereiche zwischen Boden und Wänden. Während das Risiko im Spritzwasserbereich sanitärer Einrichtungsgegenstände meistens überschaubar bleibt, ist das Risiko für die Entstehung von Schäden in Bereich der Dusche selbst sehr hoch.

Hohes Schadenspotenzial

Einerseits kann die Ausführung von Abdichtungsmaßnahmen inklusive dem kompletten Wand- und Bodenaufbau ein lukratives Geschäftsmodell sein, aber wer sich darauf einlässt, muss wissen, was er tut, denn Wasser passiert die kleinsten Risse und oft wird es nicht rechtzeitig bemerkt. Im Gegenteil: Es passiert oft, dass Feuchtigkeit in den Untergrund eindringt und im Laufe von Tagen, Wochen oder Monaten immer weiter vordringt und massive Schäden verursacht. Da in regelmäßigen Abständen beim Duschen Wasser nachgeführt wird, findet keine Austrocknung statt. Erkannt werden solche Schäden in der Regel erst, wenn die Wandbeschichtung abblättert oder angrenzende Räumlichkeiten erste Feuchtigkeitsschäden auf- weisen. Für jeden Handwerker gilt daher die sorgfältige Ausführung aller Abdichtungsmaßnahmen entsprechend den geltenden Normungen, sonst haftet man im Schadensfall und das kann teuer werden!

Neues Regelwerk der Abdichtungsnormen

Damit für die Hersteller sowie die Verarbeiter ein aktuelles Regelwerk und damit ein praxisgerechter Leitfaden zur Verfügung steht, wurde die Normung aktualisiert. Aus einer einzelnen Norm mit allen Bereichen entstand einzelne Abdichtungsnormen für die einzelnen Bereiche an Bauwerken. So werden die doch unterschiedlichen Anforderungen besser voneinander differenziert und es kann individueller auf die Anforderungen eingegangen werden. Die einzelnen Normen sind die DIN 18531, sie gilt für genutzte und ungenutzte Dächer, die DIN 18532 gilt für befahrene Dach- und Decken ächen und die DIN 18533 für erdberührte Bauteile. Mit der DIN 18534 – Abdichtung von Innenräumen beschäftigen wir uns intensiver und die DIN 18535 regelt die Abdichtung bei Behältern und Becken.

DIN 18534 – Innenraumabdichtungen als Leitfaden

Der Grundsatz für Nassbereiche mit Fliesen entsprechend ZDB-Merkblatt lautet: Keramische Beläge sind feuchtigkeitsbeständig und wasserabweisend, aber durch jede Art der Verfugung bei direkt beanspruchten Flächen in der Regel wasserdurchlässig. Die Folgerung: eine Abdichtung ist erforderlich. Diese Feststellung lässt sich auch auf die Oberflächengestaltung mit Spachtelmassen und Beschichtungsstoffen übertragen. In der Regel werden Abdichtungen im Verbund mit anderen Werkstoffen erstellt. Die Bezeichnung lautet »Abdichtungen im Verbund« (AIV). Dazu zählen Ausführungen durch das Applizieren von Polymerdispersionen, die Verwendung mineralischer, rissüberbrückender Dichtungsschlämmen, der Einbau bahnenförmiger Verbundabdichtungen und die Abdichtung mit Reaktionsharzen. Auch die Applikation rissüberbrückender Dichtungsschlämmen im Spritzverfahren sowie die Montage plattenförmiger Verbundabdichtungen sind mögliche Ausführungen für Abdichtungen.

Wassereinwirkungsklassen

In der DIN 18534-1 sind die Wassereinwirkungsklassen definiert. In »W0-I« ist die Wassereinwirkung gering und sie gilt für Flächen mit nicht häufigem Einwirken aus Spritzwasser. Beispiel: Wandflächen in Bädern außerhalb von Duschbereichen und häuslichen Küchen oder Bodenflächen im häuslichen Bereich ohne Ablauf. »W1-I« ist mit mäßiger Einwirkung für Flächen mit nicht häufigem Einwirken aus Brauchwasser ohne Intensivierung durch anstauendes Wasser definiert. Ein Beispiel sind Bodenflächen im häuslichen Bereich mit Ablauf, aber auch Bodenflächen in Bädern ohne/mit Ablauf ohne hohe Wassereinwirkung aus dem Duschbereich. Die weiteren Wassereinwirkungsklassen sind »W2-I« und »W3-I«. Die entsprechenden Vorgaben für die jeweilige Abdichtungsmaßnahme und ihre Ausführung sind sorgfältig zu beachten. Es kann zweckmäßig sein, auch angrenzende , nicht durch bauliche Maßnahmen geschützte Bereiche, der jeweils höheren Wassereinwirkungsklasse zuzuordnen.

Schritt 1: Vorbereitungen vor dem Aufbringen von Ausgleichsschichten
Schritt 2: Ausgleichsschichten verarbeiten
Schritt 3: Anschlussabdichtung in einer Dusche einbauen 1
Schritt 4: Anschlussabdichtung in einer Dusche einbauen 2
Schritt 5: Flächenabdichtung an Wänden anbringen
Schritt 6: Flächenabdichtung am Boden anbringen
Schritt 7: Material für Bodennivellierung vorbereiten
Schritt 8: Boden nivellieren
Schritt 9: Fugenlose Wandgestaltung anbringen

Abgeklebt und Abgedeckt
  Präzise ausgeführte Abdeckarbeiten sind meist schon die halbe Miete: Sie halten den Arbeitsplatz sauber, erleichtern Nachbesserungen und helfen Ihnen dabei schnell und effektiv zu arbeiten. Allerdings gilt es einiges zu beachten, zum Beispiel welches Klebeband auf welchem Untergrund verwendet werden sollte. Wir haben mit Vertretern namhafter Hersteller gesprochen und wertvolle Tipps für Sie gesammelt. [tttgallery template="content-slider"] Tipp 1: Abklebearbeiten richtig planen Einer der wichtigsten Schritte kommt gleich zu Beginn des Arbeitsprozesses: die Planung. Bevor Sie anfangen und zum erstbesten Klebeband greifen, das Sie finden können, sollten Sie sich einige Fragen stellen, die den weiteren Verlauf sowie die Wahl der Produkte mitbestIMMen: Wo klebe ich ab? Im Innen- oder im Außenbereich? Welches Material wird verarbeitet? Farbe, Lack, Putz? Wie lange wird abgeklebt? Stunden, Tage, Wochen oder gar Monate? Welchen Untergrund klebe ich ab? Aus welchem Material besteht er – Holz, Metall, Kunststoff, Stein, Beton,...? Welche Oberflächenbeschaffenheit hat er? Ist er rau und porös oder glatt und unempfindlich? Wenn Sie all diese Fragen beantworten können und die Antworten im Geiste notiert haben, können Sie zur Wahl der richtigen Produkte voranschreiten. Tipp 2: Produkt passend zum Untergrund wählen Nicht jede Oberfläche, die glatt und stabil aussieht, ist es auch. Gerade bei Holz ist besondere Aufmerksamkeit gefordert. Führen Sie daher stets eine Probeverklebung durch (siehe Tipp 3) und wählen Sie ein weniger stark klebendes Produkt. Bei UV-gehärteten Lackbeschichtungen (Fertigbauteile) sollten Sie kein zu stark klebendes Band einsetzen und dabei die Dauer der Malerarbeiten im Hinterkopf behalten. Auf rauen Putzoberflächen sollte ein Band mit einer höheren Klebkraft verwendet werden. Bei glatten oder gefilzten Putzen können dagegen Klebebänder mit geringer Klebkraft angebracht werden. Metall erfordert mehr Vorsicht, da häufig chemische Reaktionen zwischen Klebstoff und Metall entstehen können. Daher gilt: Möglichst sparsam und nur kurzeitig Klebeband einsetzen und den Fokus auf andere Abdeckmaterialien, wie Filze oder Folien, setzen. Achten Sie außerdem darauf, dass das Band nur eine geringe Klebebandbreite hat und einen speziellen UV-Schutz aufweist, um spätere Beschädigungen durch Kleberückstände zu vermeiden. Tipp 3: Untergrund auf seine Eignung prüfen Um Schäden im Allgemeinen zu umgehen, sollte vor jeder Anwendung zunächst eine Untergrundprüfung vorgenommen werden. Augenschein und Kratzprobe sind hier das Minimum. Besser noch: Führen Sie eine Probeverklebung durch. Kleben Sie den Untergrund dafür an einer nicht-sichtbaren Stelle mit dem ausgewählten Klebeband ab und kontrollieren Sie nach 2-3 Stunden, wie sich Kleber und Untergrund zueinander verhalten. Bei besonderes empfindlichen Untergründen ist eine 24-stündige Testverklebung sogar noch aussagekräftiger. Bei robusteren Untergründen können Sie beispielsweise auch den Tintentest ausprobieren – schauen Sie sich dafür die Kurzanleitung in der Bildergalerie an. Tipp 4: Saubere Farbkanten ohne Unterlaufen Sind der Untergrund geprüft, das Klebeband angebracht und die Malerarbeiten vollendet, geht es nun darum, das Band möglichst ohne Rückstände wieder zu entfernen und scharfe Kanten zu erzielen. Für saubere Farbkanten sollten Sie ein möglichst dünnes und glattes Klebeband benutzen, das sehr anschmiegsam ist. Je besser Sie außerdem beim Verkleben schon andrücken, desto schärfer gelingen später die Kanten. Lassen Sie das Klebeband nicht länger als notwendig auf dem Untergrund – idealerweise wird es nach dem Antrocknen, aber noch vor dem Durchtrocknen abgezogen. Achten Sie dazu unbedingt auf einen 45°C-Winkel und ziehen Sie es mit festem, kontinuierlichen Zug aber niemals ruckartig ab. Ein Trick, um Kleberückstände zu umgehen, ist die richtige Temperatur: Diese sollte im besten Fall zwischen 5°C und 40°C liegen. Tipp 5: Klebebänder richtig lagern und aufbewahren Damit Sie lange Freude an Ihren Produkten haben, gehört auch die richtige Lagerung dazu. Klebebänder müssen vor Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit, Hitze und Kälte geschützt werden, damit der Klebstoff und die Membran wie gewünscht funktionieren. Verstauen Sie deshalb Ihre Klebebänder am besten im einem Karton bei Raumtemperatur, beispielsweise in einem Lagerraum Ihres Betriebs. Vermeiden Sie, die Kleberollen in Ihrem Auto zu lagern, da dort unkontrollierbare Temperaturschwankungen die Klebkraft und Funktionstüchtigkeit der Bänder beeinträchtigen können. Außerdem ist es ratsam, in regelmäßigen Abständen die Lagerbedingungen zu überprüfen.   Wenn Sie alle elf ausführlichen Produkttipps und Anwendungstricks, sowie die Meinungen der Branchenexperten lesen wollen, werfen Sie doch einen Blick in die Mappe 4/17.
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Foto: manuta/stock.adobe.com
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