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20. Dezember 2023
Redaktion
Neuer Höchststand

Abbrüche in der dualen Ausbildung

Über 155.000 duale Ausbildungsverträge wurden 2022 vorzeitig gelöst. Das ist neuer Höchststand, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) berichtet. Gut ein Drittel der Vertragsauflösungen fand in der Probezeit statt, ein weiteres Drittel danach während des ersten Ausbildungsjahres. Weitere 23 Prozent erfolgten im zweiten Ausbildungsjahr. Spätere Vertragslösungen kommen eher seltener vor.
Foto: FK-Textfotograf/Adobe Stock

Die Lösungsquote bei den dualen Ausbildungsverträgen ist bundesweit im Jahr 2022 auf 29,5 Prozent gestiegen, was einem neuen Höchststand entspricht (2019: 26,9 Prozent). Gut ein Drittel der Vertragsauflösungen fand in der Probezeit statt, ein weiteres Drittel danach während des ersten Ausbildungsjahres. Weitere 23 Prozent erfolgten im zweiten Ausbildungsjahr. Spätere Vertragslösungen kommen eher seltener vor.

Negativer Spitzenreiter

Spitzenreiter bei der Lösungsquote ist weiterhin das Handwerk mit einer Quote von 36,7 Prozent aufgelöster Ausbildungsverträge. Die Lösungsquote gibt an, wie viele der begonnenen Verträge vorzeitig gelöst wurden. Es ist keine Abbruchquote, denn viele Auszubildende schließen nach einer Vertragslösung erneut einen Ausbildungsvertrag im dualen System ab. Auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) berechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jährlich die Vertragslösungsquote.

Erste Analysen zeigen: Je günstiger die Ausbildungsmarktlage aus Sicht der Jugendlichen, umso höher fällt die Lösungsquote aus. Es liegt daher die Annahme nahe, dass Auszubildende bei auftretenden Problemen im Ausbildungsverhältnis eher ihre Ausbildungsentscheidung revidieren und einen Wechsel vornehmen, wenn sie aufgrund der für sie aktuell günstigen Marktlage relativ einfach einen alternativen Ausbildungsplatz finden können. Aufgrund des momentanen Mangels an Bewerberinnen und Bewerbern sind möglicherweise Betriebe auch eher bereit, sich zu öffnen und Auszubildende einzustellen, die sie für weniger geeignet halten. Dies könnte in der Folge häufiger zu Problemen im Ausbildungsverlauf und einer vorzeitigen Beendigung des Ausbildungsverhältnisses führen.

Ursachen für vorzeitige Vertragslösungen

Die Ursachen für vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung sind vielfältig und können sich im Einzelfall deutlich unterscheiden. Sie können im Bereich revidierter Berufswahlentscheidungen oder in den Anforderungen und der Attraktivität des Berufs liegen, im Ausbildungsverhalten von Auszubildenden oder Ausbilderinnen und Ausbildern, wie auch in Konflikten zwischen Ausbildungspersonal und Auszubildenden. Neben der Ausbildungsmarktlage können zudem weitere Rahmenbedingungen wie z. B. die betrieblichen Ausbildungsbedingungen das Vertragslösungsgeschehen beeinflussen.

Um vorzeitige Vertragslösungen zu verhindern, sind Unterstützungsangebote für Jugendliche wichtig. Sowohl bei der beruflichen Orientierung als auch nach Ausbildungsaufnahme können die Jugendberufsagenturen vor Ort die jungen Erwachsenen beraten oder bei Bedarf Unterstützung zur Begleitung des Ausbildungsverhältnisses organisieren. Auch die Ausbildungsberatung der Kammern unterstützt bei Fragen rund um das Ausbildungsverhältnis.

Bei Problemen können Unternehmen zudem ihre Möglichkeiten nutzen, sich zu einem attraktiveren Ausbildungsort weiter zu entwickeln. So könnten sie zum Beispiel versuchen, ihre Ausbildungsqualität zu erhöhen. Nach Ausbildungsbeginn ist es wichtig, die betriebliche und berufliche Sozialisation im Betrieb zu stärken und bei Herausforderungen Hilfe von außen hinzuzuziehen. Auch die Möglichkeiten der Ausbildung im Verbund mehrerer Betriebe oder auch – bei Bedarf – die Ausbildung in Teilzeit können bedacht werden.

Foto: manuta/Adobe Stock
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