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Foto: Fachschule für Farb- und Lacktechnik, München

Nachruf für Siegfried Federl. Foto: Fachschule für Farb- und Lacktechnik, München

Zitate aus der Festschrift zu 50 Jahre Meisterschule für Maler München, 1979
„Die Handwerksgeschichte und natürlich auch die Geschichte des Malerhandwerks zeigt, dass viele Wege in der Berufsentwicklung schon gegangen wurden.
Mancher gute Weg endete plötzlich in einer Sackgasse, wie der Weg des Dekorationsmalers, der heute nicht mehr dem Handwerk angehört. Angewandte Malerei, früher ein selbstverständliches Arbeitsgebiet des Malers, wird – wenn überhaupt noch – von akademischen Malern ausgeführt, die vielfach vom Handwerk keine Ahnung haben.
Andere Wege wurden oft in der wirtschaftlichen Landschaft durch die technische Entwicklung geebnet, wie z. B. die ganze Beschichtungstechnik, die einer Autobahn gleich, so manchen Malermeister sehr schnell zu seinem Ziel führt.
Andere Wege wurden zusammengeführt und mehrspurig ausgebaut um die Aufnahmekapazität zu erhöhen. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenlegung von Malern und Fahrzeuglackieren, wobei so mancher das Gefühl hat, auf der falschen Straßenseite zu fahren.
Neuere Flurbereinigungsbestrebungen deuten darauf hin, dass zu der Bundesstraße des Maler- und Lackiererhandwerks regionale Fußwege mit landschaftsgebundener Charakteristik, wie die der Kirchenmalerei und Vergolderei teilweise ausgebaut, teilweise neu angelegt werden.“
Soweit Herr Federl im Jahr 1979 selbst.
Herr Federl hat in den Jahren als Schulleiter der Städtischen Fach- und Meisterschulen in München die unangenehme Aufgabe übernommen, anhand veralteter „Straßenkarten“, die Wege der Zukunft zu finden und die zukünftigen Meister und Farb- und Lacktechniker auf den ersten Kilometern zu begleiten, ohne zu wissen, ob der eingeschlagene Weg nicht nur eine unbedeutende Einbahnstraße ist oder wird.
Herr Federl hat in den 14 Jahren ab 1964 als Fachlehrer und in den knapp 20 Jahren bis 1997 als Schulleiter viele Wege angeboten, hat so manchen Pfad zu einer brauchbaren Straße ausgebaut und hat sich auch nicht gescheut, steile Wege zu beschreiten und Engpässe zu überwinden, wenn er von der Richtigkeit des Zieles überzeugt war. Er war immer überzeugt, dass der momentan beschrittene Weg der zurzeit richtige ist. Es war seine Absicht, ein gutes „Straßennetz“ anzubieten, das vielen einen guten Start in eine gewählte Richtung ermöglicht. Er war überzeugt, dass diese vielfältigen Wege gut ausgebaut sein müssen, um ein schnelles Fortkommen zu sichern. Sie müssen auf dem tragbaren Unterbau der festgefügten Tradition aufgebaut und so gestaltet werden, dass das Gesicht der Umwelt nicht zerstört, sondern bereichert wird.
Sein „Navi“ führte ihn immer zielsicher an die neuralgischen Verkehrsknoten der Berufsausbildung im Malerhandwerk und er erwies sich oftmals als weitsichtiger Lenker im drohenden Zukunftsstau. So initiierte er im Jahr 1986 in Baden-Baden den Arbeitskreis Schulen, der seit 1987 bundesweit, in Zusammenarbeit mit dem Bildungsausschuss des Bundesverbandes, die Schulstrukturen erfasst, die Zusammenarbeit der Schulen und Lehrkräfte koordiniert und durch Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte gezielt den Stand der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Maler- und Lackiererhandwerk auf dem neuesten Stand der Technischen Entwicklung hält.
Er gründete 1980 die Städtische Meisterschule für das Vergolderhandwerk, die im Verlauf ihres Bestehens unzähligen Kirchenmalerinnen und Kirchenmalern und Vergolderinnen und Vergoldern den Weg in eine goldene Zukunft geebnet hat. Ebenso räumte er – in einer Zeit die von Vorurteilen und Widerständen gepflastert war – die fast unüberwindlichen Steine für die Fortbildung zum Restaurator im Handwerk in Bayern aus dem Weg. Wie vorausschauend und zukunftsträchtig diese eingeschlagene Richtung war, spiegelt sich in der neu erlassenen Ausbildungsordnung aus dem Jahr 2020 wider. Der Restaurator im Handwerk als „Master Professional“ würdigt in Gänze die von Federl weitsichtig begangenen ersten Schritte. Als engagierter Wegbereiter und scharfsinniger Planer zeigte sich Siegfried Federl in der Umsetzung der neuen Ausbildungsordnung im Maler- und Lackiererhandwerk im Jahr 2002 und schaffte damit die Voraussetzung für die Integration der Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege in das Berufsbild der Maler- und Lackierer.

Meilensteine setzte Federl und sein Team an der Fach- und Meisterschule aber auch im Rahmen der Aktionsschauen des Bundesverbandes für Farbe im Rahmen der Fachmessen „Farbe“, die spätere Fachmesse „Farbe, Ausbau & Fassade“ in München und Köln. Sein Anliegen war es, dass das Malerhandwerk im „Fluss der Zeit““ einer gesicherten Zukunft entgegensteuert. Mit den Aktionsschauen sollten die Spitzenleistungen des Malerhandwerks im dreijährigen Turnus präsentiert werden.
Sicherlich sein liebstes Bauvorhaben auf dem Weg zur Sicherung der Schul-Qualität und zur Unterstützung der Schülerinnen und Schüler an der Fach- und Meisterschule war die Gründung des „Münchner Farbkreis“ im Jahr 1988. Zusammen mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Industrie und Betrieben entwarf Federl ein Drehkreuz, das seither ganz der Förderung der Schulischen Ausbildung an den Fach- und Meisterschulen gewidmet ist. Mit Fachseminaren, Ausstattung der Unterrichte und Unterrichtsräume mit Geräten, Maschinen und Fachliteratur und gezielter Finanzieller Unterstützung begegnen sich hier zurzeit ca. 400 ehemalige und aktive Schülerinnen und Schüler zum Wohl und für die Zukunft der Fach- und Meisterschulen in München.
Dem „Landschaftsarchitekten“ der diese vielfältigen Wege mitgebaut hat und der nun seinen letzten Weg am 20. Januar 2022 gegangen ist, gilt unser aller Dank für die getane Arbeit. Siegfried Federl ist den richtigen Weg gegangen.
Miriam Maier im Namen des gesamten Kollegiums der Münchner Farbe Schulen

Foto: manuta/Adobe Stock
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