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Mappe: Herr Ruckdeschel, wie sehen Sie den Trend des globalen Denkens und lokalen Handelns?
Jürgen Ruckdeschel: Ich halte dieses sehr gängige Motto für ein wenig allgemein und vage. Wenn ich es auf die Welt des Handwerkers beziehe, bleiben bei mir drei Aspekte: Zum einen wird das Internet in vielen Fällen die erste Informationsquelle, doch die meisten Suchaufträge gehen zu lokalen Angeboten. Zweitens ist Nachhaltigkeit ein globales Thema, welches auch bei uns immer stärker ankommt und lokal umgesetzt wird. Kleine Betriebe sind meist von Natur aus nachhaltiger als Großkonzerne, weil Ihnen ihr Umfeld langfristig ehrlich am Herzen liegt. Drittens wechseln Menschen ihren Arbeitsplatz und den Wohnort im Rahmen des globalen Denkens häufiger als früher. Somit muss der Handwerker immer dafür sorgen, dass er und seine Leistungen auch bei den neuen Bewohner bekannt ist.
Mappe: Welche Entwicklung in den letzten zehn Jahren können Sie bei den Konsumenten im Hinblick auf die Beauftragung von Handwerkern beobachten?
Jürgen Ruckdeschel: Eine zu geringe Wertschätzung des Handwerkers und seiner Rolle in der Gesellschaft. Und damit verbunden immer das Gefühl der Handwerker bekomme zu viel Geld für seine Leistung. Schuld daran sind einerseits die Internetportale aber noch viel mehr die Handwerker mit ihrer fehlenden Darstellung der Leistungen, oftmals fehlendem Stolz und ihrer Verhandlungspolitik.
Mappe: Können Sie Handwerker einfach zurücklehnen und auf eine steigende Nachfrage aus der Nachbarschaft bauen?
Jürgen Ruckdeschel: Das Internet mit den aggressiven Preisangeboten der bekannten Portale wie MyHammer nimmt vielen Handwerksleistungen die Wertschätzung und damit auch die Akzeptanz von angemessenen Preisen. Die Herausforderung für den Handwerker wird es sein, seine Leistung und die seines Teams zukünftig hochwertiger darzustellen und zu verkaufen um damit auch die richtigen Preise zu erzielen. Diese benötigt er für die langfristig angemessene Bezahlung seiner Mitarbeiter.
Mappe: Wie sehen Sie die Konkurrenz durch ganz neue Wettbewerber, die überregional angesiedelt sind, aber lokal agieren, wie etwa Handwerkerplattformen wie MyHammer oder Homebell?
Jürgen Ruckdeschel: Da diese Portale immer an vorderster Stelle im Netz stehen, aktiv im Marketing sind und vor allem preisaggressiv, wird es für den Handwerker in Zukunft darum gehen zu einer richtigen lokalen Marke mit ganz klaren Markenversprechen zu werden. Ich glaube die Zeit arbeitet trotz solcher Preisdumping-Geschäftsmodelle für die Handwerker, die echte Qualität zu angemessenen Preisen liefern.
Mappe: Wie erreicht man junge Menschen, Familien, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind und eher global denken?
Jürgen Ruckdeschel: Erfolge bei Handwerkern entstehen aus Leidenschaft. Und genauso sollte zukünftig auch die Kommunikation auf allen Kanälen mit seinen Stärken, Nutzenversprechen und Werten sein. Es gibt wunderbare Geschichten und Themen des Handwerkers, die auch junge Menschen sehr interessieren. Die Handwerker verkaufen sich auch als Arbeitgeber meist ohne Emotionalität und weit unter Wert. Warum so bescheiden- Ihr Handwerker? Es gibt große Chancen, die gilt es mit neuem Stolz und Leidenschaft anzupacken.
Mappe: Was sagen Sie einem Maler, der meint, es reiche der Zusatz auf seiner Homepage oder im Logo, „Ihr Malerbetrieb vor Ort“ oder „Ihr Maler aus der Region“?
Jürgen Ruckdeschel: Stellen Sie sich vor sie sind in einer fremden Stadt und wollen schön essen gehen. Sie googeln „Italiener“. Gehen Sie zum „Italienisches Restaurant Luigi“ mit der Beschreibung „italienische Speisen“, oder gehen Sie zum Italiener, der über seine „frische Seezunge“ oder „Die leckeren Holzofenpizzen“ schreibt.   Hier gehts zum Buch von Jürgen Ruckdeschel:„Warum so bescheiden, ihr Handwerker?“  

Foto: manuta/Adobe Stock
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