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7. Januar 2024
Redaktion
Robotik

„Autonome Navigation ist essenziell“

Dr. Werner Kraus, Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, gibt eine Einschätzung zu Robotik im Bauhandwerk und verrät, an welchen Projekten gerade gearbeitet wird.
Foto: Fraunhofer IPA
Dr. Werner Kraus, Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Wie beurteilen Sie generell Robotik im Bauhandwerk?

Dr. Werner Kraus: Ich sehe einerseits sehr große Potenziale für den Einsatz von Robotern im Bauhandwerk. Es gibt viele Aufgaben, die körperlich sehr beanspruchend und monoton sind. Gekoppelt mit dem Fachkräftemangel und demografischem Wandel sind Roboter eine wichtige Möglichkeit, um das Bauhandwerk zu unterstützen. Andererseits geht es überwiegend um ein Handwerk mit anspruchsvollen, vielfältigen und aufwendigen Tätigkeiten. Diese auf einen Roboter zu übertragen, ist nicht einfach, zumal der Einsatzort Baustelle alles andere als „roboterfreundlich“ ist. Und doch gibt es erste Roboter auf dem Markt, die Wände streichen, Mauern hochziehen, verputzen oder bohren. Teilweise tun sie dies nicht vollautonom, sondern assistieren dem Menschen. Ähnlichkeiten zur industriellen Produktion und gute Einsatzbedingungen für Industrieroboter gibt es im Fertighaussektor.

Welche Projekte haben Sie realisiert, die fürs Bauhandwerk interessant sind?

Dr. Kraus: Aktuell werden Roboter dank kognitiver, also wahrnehmender Funktionen, und auch dank Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI) immer versierter und können dann mit den eben genannten Herausforderungen immer besser umgehen. Die beschriebenen Potenziale sehen auch zunehmend Handwerksfirmen. So wird das Streichen von Rohbauwänden diskutiert und es gibt Aktivitäten zur Automatisierung der Schiffslackierung. Insgesamt ist das Bauhandwerk jedoch noch ein seltener Projektpartner bei uns. Einige Umsetzungsbeispiele gibt es dennoch. Dazu gehört das Mehrlagenschweißen. Hierbei entwickelten wir einen Prototyp und die Software für das robotische Schweißen auf Baustellen. Außerdem haben wir unseren Seilroboter, eine Roboterart für besonders große Arbeitsräume, weiterentwickelt, so dass er automatisiert Gebäudefassaden an Hochhäusern montieren kann. Und schließlich kam auch ein Seilroboter zum Einsatz, der den automatisierten 3D-Druck ausführte.

An welchem Projekt arbeiten Sie gerade, das fürs Bauhandwerk von Bedeutung sein könnte?

Dr. Kraus: Unsere Schweißroboterlösung für das Mehrlagenschweißen können wir für ähnliche Einsatzzwecke weiterentwickeln. Zudem haben wir unseren kognitiven Schweißroboter speziell für die Bedarfe kleiner Betriebe am Start. Und auch der erwähnte Seilroboter kann an die Bedarfe unterschiedlicher handwerklicher Einsatzszenarien angepasst werden. In einer benachbarten Abteilung wird im Projekt „TURBO“ das Beschichten mittels einer Drohne entwickelt. Eine solche Technologie würde sich auch gut für Ausbesserungsarbeiten zum Beispiel an Fassaden oder Dächern eignen. Immer ist die Kernfunktion autonome Navigation, ob zu Land oder in der Luft, essenziell für den Robotereinsatz im Bauhandwerk.

Alexandra Nyseth

Foto: manuta/Adobe Stock
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