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5. Januar 2024
Redaktion
Robotik

Roboter und Maler im Team

ConBotics holte sich mit den Berliner Malerbetrieben Malermeister Sachs und Borst & Muschiol Experten aus der Praxis mit ins Boot. Die Malermeister berichten über ihre Erfahrungen mit dem Roboter.
Foto: Malermeister Sachs
Der kleine Freund: Der Roboter hat den Praxistest mit Sascha Menner (2.v.r.) bestanden.

„Ich war von Beginn an begeistert und habe erkannt, dass der Roboter uns viel Arbeit abnehmen kann“, erinnert sich Robert Sachs, Geschäftsführer des Betriebs Malermeister Sachs an seine Reaktion nach der Anfrage von ConBotics, den Spritzroboter zu testen. Auch Sascha Menner, Malermeister und Betriebsleiter der Firma Borst & Muschiol war gerne bereit, den Prototyp dieses Spritzroboters weiterzuentwickeln. Testobjekte waren ein Wohnungsneubau und ein Einfamilienhaus über zwei Etagen mit Keller. Beide Objekte boten genügend Platz für den Roboter.

Schneller und sparsamer im Materialverbrauch?

Auf die Frage, ob der Roboter schneller arbeite als der Maler, erklären die ConBotics Tester, dass er ab einer bestimmten Flächenleistung sicher schneller sein werde, weil er im Gegensatz zum Maler nicht ermüde. Bei einem kleinen Raum werde der Maler jedoch wahrscheinlich zurzeit noch zügiger arbeiten, vermutet Robert Sachs. Dies bestätigt auch Sascha Menner und fügt hinzu: „Durch das gleichmäßig eingestellte Spritzbild spart er ebenfalls Farbe. Der Maler spritzt mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger.“ Robert Sachs konkretisiert dies und erklärt, der ConBotics Roboter verbrauche etwa 20 Prozent weniger Farbe: „Ich bin gegen den Roboter an einer 2 x 18 Meter großen Wand angetreten und hatte wesentlich mehr Farbverbrauch. Dies lag hauptsächlich daran, dass der Roboter weniger Overspray produziert, auch an Sockelleiste und Decke.“

Detaillierte Vorbereitung und einfache Handhabung?

Wie bei einer regulären Baustelle auch sollte für den Roboter der Weg freigemacht und entsprechend abgedeckt werden. „Vielleicht“, räumt Robert Sachs ein, „muss aufgrund des reduzierten Oversprays nicht mehr derart breitläufig abgedeckt werden.“

„Ist der Grundriss des Raumes ins Bedienerpanel eingegeben, kann der Roboter mit einem Controller gesteuert werden. Nach einer kleinen Einweisung ist das kein Problem. Danach arbeitet der Roboter mit einem sechs Stunden Akku nahezu von allein, der Maler muss nur prüfen, ob er genug Farbe hat“, erklärt Sascha Menner. Säulen, Fenster und Türen erkenne der Roboter, auch wenn laut der beiden Tester die KI von ConBotics zurzeit noch einmal überarbeitet und perfektioniert werde, damit der Roboter auch wirklich alle Öffnungen wahrnimmt. War der Roboter zu Beginn recht schwer und unhandlich, lässt er sich heute in Gestänge, Airlessgerät, Akku und Plattform auseinanderbauen und in jedem Kombi transportieren. Außerdem passe er aufgebaut durch jede DIN-Tür, berichten die beiden Tester. Trotzdem dürfe das Gewicht des Roboters laut Menner noch ein bisschen reduziert werden. Robert Sachs bezeichnet den Spritzablauf selbst als verbesserungswürdig: „Der Roboter spritzt die Wand und muss für den nächsten Teil ein Stück fahren, während dieser Zeit spritzt er nicht. Dieser Ablauf könnte vielleicht effektiver gestaltet werden.“

Und Sascha Menner fügt hinzu: „Deswegen ist der Einsatz des Roboters unter realen Bedingungen für den Entwicklungsprozess ein wichtiger Meilenstein für ConBotics, um die Verbesserungswünsche der Malerbetriebe direkt in die Weiterentwicklung vor dem Markteintritt im April 2024 einfließen zu lassen.“

Im Team zur Erleichterung Trotz dieser Verbesserungsvorschläge sind beide Malermeister der Meinung, dass der Roboter für das Malerhandwerk eine Menge Erleichterung bringen kann. Zunächst erspare er die mühsame Arbeit des Spritzens: „Wenn der Maler den ganzen Tag die Pistole und den Schlauch hält und immer hoch und runtergeht, ist das schon sehr anstrengend und den Spritznebel einzuatmen ist auch nicht sonderlich gesund“, erklärt Sascha Menner. Denn trotz Maske atme der Handwerker immer ein bisschen Staub ein.

„Durch das akkurate Arbeiten des Roboters, das der Mensch so nicht leisten kann, entsteht weniger Spritznebel“, erklärt Robert Sachs, der als weitere große Erleichterung das daraus resultierende reduzierte Tragen von Schutzkleidung, wie Ganzkörperanzug, Maske, Handschuhe und Brille benennt. Sascha Menner bezeichnet Roboter und Maler als Team, das ein Baustein gegen den Fachkräftemangel sein kann: „Der Maler wird jedoch auch in Zusammenarbeit mit dem Roboter kleinere Ecken vorarbeiten müssen, die großen Flächen spritzt der Roboter.“ Während dieser Zeit könne der Maler die anderen Räume vorbereiten, fügt Sachs hinzu.

Foto: Malermeister Sachs
Robert Sachs, Malermeister und Geschäftsführer bei Malermeister Sachs.

Jede Unterstützung auf dem Bau ist erstrebenswert

ConBotics plant einen Roboterarm fürs Schleifen, Spachteln und Sandstrahlen. „Wenn das realisiert wird, wäre es ein großer Schritt nach vorne, denn diese Arbeiten sind wirklich körperbetont und anstrengend“, erklärt Sascha Menner. „Ich kann mir vorstellen, dass es zukünftig einen Roboter gibt, der die Wände deckend autonom bearbeitet inklusive Spachtel-, Schleif-, Grundier- und Streicharbeiten. Ebenso könnte ein Roboter Türen und Rahmen lackieren“, erklärt Robert Sachs und schaut weiter in die Zukunft: „Wir Maler werden durch Exoskelette kaum noch Kraft aufzuwenden haben. Gleichzeitig gibt es aber in unserem Gewerk so viele Bereiche, die ein Roboter nicht übernehmen kann, wie z. B. eine Farbwand anlegen, Tapezieren oder eine spezielle Technik ausführen.“ Dieser Meinung ist auch Sascha Menner, der eine nahezu vollständige Automatisierung im Malerhandwerk als schwierig bezeichnet und ebenfalls auf viele kleine Flächen und individuelle Aufträge aufmerksam macht. Er fasst zusammen: „Wir bei Borst & Muschiol befürworten Roboter auf der Baustelle, denn jede Unterstützung bei Fachkräftemangel ist erstrebenswert. Ich denke, das Malergewerk wird Roboter, so auch. Exoskelette, zukünftig vermehrt nutzen, aber zum Malertroniker werden wir nicht.“

Alexandra Nyseth

Foto: manuta/Adobe Stock
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